Happy Birthday, Aloy!

Heute vor zwei Jahren ist Horizon in Europa veröffentlicht worden. Mich haben das Setting und die Grafik von Anfang an neugierig gemacht – übers Gameplay konnte ich durchs Ansehen der Vorab-Trailer ja erst nur Vermutungen anstellen. Als das Spiel dann am Markt war, durchlief es zuerst mal das klassische Review-Treatment: Ich spielte es geschätzt sechs bis acht Stunden – so lange, bis ich den Eindruck hatte, dass ich das Wesen des Spiels grundsätzlich verstehe, um für ein Publikumsmedium wie FM4 etwas Relevantes darüber sagen und schreiben zu können. Bei sehr umfangreichen Games ist diese Vorgangsweise natürlich immer ein Balanceact: Man kann zurecht monieren, dass ein bloß ausgiebigeres Anspielen eines riesigen Titels keine vernünftige Basis für eine Review darstellen kann. Allerdings geht es bei Spielbesprechungen nicht immer um klassische Fachmagazin-Reviews, sondern bei Publikumsmedien vor allem um die Essenz eines Spiels: Worum geht’s, was kann man tun, wie fühlt es sich an? „Die Kämpfe sind hier wirklich packend, vor allem, weil der Fernkampf mit Pfeil und Bogen ein zentrales Element des Spiels ist. Darüber hinaus stellen wir den Robotertieren diverse Fallen und müssen dabei das jeweilige Gelände geschickt nützen. Aloy selbst ist eine gut gelungene, starke weibliche Heldin ohne dumme sexuelle Inszenierung“, lautete ein Teil meines Fazits in der FM4-Besprechung vom 7. März 2017 – ein Statement, das ich nach mittlerweile viel mehr Spielzeit grundsätzlich weiterhin bestätigen kann. Doch natürlich war und kam da noch so viel mehr.

Heute ist meine journalistische Einschätzung erweitert um eine nachhaltige Begeisterung und die, ja, Liebe für eine Welt, eine Figur und ein Spielerlebnis, die so einzigartig sind. Horizon: Zero Dawn ist ein Meilenstein der Gamesgeschichte. In den zwei Jahren, die danach kamen, sahen viele ebenfalls aufwendig produzierte Computerspiele neben Horizon schon alt aus, als sie gerade frisch erschienen sind. Die Protagonistin, das außergewöhnliche Setting, die detailverliebte Story, die fantastischen Robotertiere, die mitreißende Kampfdynamik und die heterogene Spielwelt mit all ihren vielseitigen Orten, legten die Latte so hoch, dass sich viele Entwicklerstudios insgeheim wohl wünschen, dass bald die Zeit über Horizon wächst und man künftig nicht immer alles an diesem Meisterwerk messen wird müssen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Obwohl Horizon keine aufdringliche Marke ist, haben es sehr viele Menschen ins Herz geschlossen und lassen auch zwei Jahre später von dem Game nicht ab. Moderne Triple-A-Games werden sich also weiterhin daran messen müssen und sollten deshalb aktiv versuchen, Guerilla Games Gesamtkunstwerk zumindest in Teilbereichen nahezukommen. Gerade in Zeiten von halbfertigen Riesengames, die von den großen Games-Verlagen immer aggressiver auf den Markt gezwungen werden, ist es wichtig, dass Entwicklerstudios sich alle Zeit nehmen, die sie brauchen. Nur so können Werke entstehen, die wirklich bedeutungsvoll und bereichernd sind. Das haben die Gameskultur und wir uns verdient.

Es vergehen oft viele Wochen, in denen ich nicht mit Aloy um die Häuser ziehe – entweder weil ich nicht die Zeit finde oder weil ich Sorge habe, mich zu bestimmten Momenten nicht so sehr ins Spiel fallen lassen zu können, wie ich es gerne würde. Das Schöne daran ist: Selbst, wenn ich Horizon nicht spiele, denke ich oft an bisherige Erlebnisse, an Momente und Orte im Spiel, an Empfindungen und Begegnungen, die mich spüren lassen, warum ich diese Welt, diese Figur und die Vielfalt an emotionalen, ästhetischen, narrativen und spielerischen Angeboten so sehr schätze. Zehn Millionen Lizenzen sind von Horizon in den ersten zwei Jahren verkauft worden, wurde anlässlich des Geburtstages nun bekannt gegeben. Das freut naturgemäß sowohl Entwickler Guerilla Games als auch Verleger Sony/Playstation. Doch selbst im Presseartikel zum zweijährigen Jubiläum sind Oberflächlichkeiten wie Verkaufszahlen höchstens Nebenschauplätze. Stattdessen erfahren wir über die anhaltende Leidenschaft von EnthusiastInnen und werden in ein paar neue Geheimnisse der Spielentwicklung eingeweiht. Es ist zwei Jahre später nicht mal relevant ob und wann ein Nachfolger erscheinen könnte. Horizon: Zero Dawn muss nicht mit Neuem gefüttert werden. Es ist schon vollkommen so, wie es ist.

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